LÖBLICHE SINGERGESELLSCHAFT
VON 1501
PFORZHEIM

 

Die Reiseführer von links:
Wolfram Kienzle, Löbliche Singergesellschaft, Camilla Glatz, Schwarzwaldverein, Hans Anders, Bergwacht/Naturschutz

55 Löbliche Singer und Gäste nahmen an der Frühjahrs-Gemeinschaftswanderung teil.
Die Nachenfahrt durch die vollkommen unberührt wirkenden Altrheinarme

Bericht über die:

Frühjahrs-Gemeinschaftswanderung 2006
zu Fuß und im Nachen im Naturschutzgebiet „Taubergießen“
der
Löblichen Singergesellschaft
und
Schwarzwaldverein, Badengruppe

Sonntag, 14.05.2006

mit Camilla Glatz und Wolfram Kienzle

Bericht

Einmal eine andere Frühjahrs- Gemeinschaftswanderung unter der Führung der Wanderführer
Camilla Glatz vom Schwarzwaldverein, Wolfram Kienzle von den Löblichen Singern und
Hans Anders von der Bergwacht/ Naturschutz brachte die 55 Teilnehmer mitten in das Taubergießen- Naturschutzgebiet.

An der Rheinfähre von Kappel-Grafenhausen begann die Wanderung, die mit vielfältigen Informationen begleitet wurde. Von der Entstehung der Oberrheinischen Tiefebene – nicht vom Fluss Rhein geschaffen, sondern durch einen großen europäischen Grabenbruch entstanden – wurde der Bogen bis zur heutigen Situation des Taubergießens als Naturschutzgebiet gespannt.

Im weiteren Verlauf wurden die Probleme, die die Bewohner in der bis zu 4 km breiten Rheinaue bis
zum Beginn des 19. Jahrhunderts auszuhalten hatten, mit etlichen sehr informativen Details angesprochen:

jährlich wiederkehrende Überschwemmungen, ständige Flussbett-Veränderungen innerhalb dieser
Flussaue bis hin zu den schwierigen rechtlichen Folgen (zerstörte alte Inseln – wem gehören die neu angeschwemmten Rheininseln, die auf anderen Gemarkungsgebieten liegen?) Erschwert wurden die Vorbedingungen auch noch durch unterschiedliche Herrschaftsbereiche: badische Markgrafen,
Kurpfälzer oder Franzosen.
So kommt es zur heute kuriosen Erscheinung, dass die Gemeinde Rhinau (Frankreich) auf deutscher
Seite Besitz (Wiesen) hat, der erst durch wahrscheinlich schwierige Verhandlungen zu einer Nutzung
im Sinne des Naturschutzes (z.B. Erstes Mähen erst nach Abblühen der Orchideen) geführt hat.

Auch die Malaria-Verseuchung sollte nicht vergessen werden.

Die alles führte zum Auftrag an den Wasserbauingenieur Oberst Tulla, für den die Rheinkorrektur ab
1817 die Lebensaufgabe bedeutete:

Der Rhein sollte begradigt, eine höhere Fließgeschwindigkeit erreicht, der Lauf verkürzt (23 %),
die Auenlandschaft entwässert werden, um weitere landwirtschaftliche Flächen zu gewinnen.

Was er jedoch nicht bedacht hatte, waren die negativen Folgen:

Höhere Fließgeschwindigkeit ergibt gleichzeitig auch erhöhte Tiefenerosion, d.h. auch der Grundwasser-
spiegel sinkt, kaum Verbesserungen für die Schifffahrt ( zu geringe Wassertiefe ) um nur die bedeutendsten
zu nennen.

Einen weiteren verheerenden Eingriff in den Wasserhaushalt ergaben die Folgen des Versailler Vertrages
von 1919, der den Bau des Rheinseitenkanals (betoniert) nördl. Basels bis Straßburg vorsah. 1956 wurde
im Luxemburger Vertrag beschlossen, nicht mehr die ganze Strecke als betonierten Kanal zu führen,
sondern in einer Schlingenlösung das Wasser immer wieder dem Restrhein zuzuleiten.

Die Geschichte des Taubergießens umrahmte diese Gewässer-Informationen:

Erste Gedanken, das Gebiet unter Naturschutz zu stellen gab es schon seit 1933, aber bis 1979 dauerte
dann die endgültige Umsetzung.

Dazwischen gab es einige Aufregung, als Freiburg geklärte Abwässer in einem offenen Abwasserkanal
mitten durch den Taubergießen in den Rhein leiten wollte.

Einen Hochgenuss für Augen und Fotolinsen bedeutete der Anblick der vielen Orchideen vor allem entlang
des Hochwasserdamms. Man konnte sich an den verschiedenen Ragwurzarten, Bocksriemenzungen und verschiedenen Knabenkräutern erfreuen, bevor dann eine Nachenfahrt durch die vollkommen unberührt wirkenden Altrheinarme den krönenden Abschluss dieses Tages bildeten. Dabei trugen die Nachenführer
mit ihren Erklärungen und Berichten dazu bei, die Einmaligkeit dieser urtümlichen Landschaft noch intensiver wirken zu lassen. Ab und zu begleiteten Schwäne die Teilnehmer und auch Biber ließen sich nicht stören.

Die Begeisterung der Teilnehmer zeigte sich in den Gesprächen und Dankesreden bei der Schlusseinkehr in Kork im Restaurant Schwanen, von wo aus dann die große Gruppe die Heimfahrt antrat.
Bericht: Camilla Glatz
Fotos: Eckhard Becker

Nach oben