Literatur- & Musik-Matinee
PZ-Forum.
am Sonntag, 08.11.2009, 11.15 Uhr

„Sie altern nie und trinken Leben aus einem unerschöpften Born“
eine Matinee mit Gedichten Friedrich Schillers und Musik
mit
Inés Zimmermann, Flöte und Prof. Dr. Claus Thomas, Rezitation

Dazu wurde eine Tages-Ausstellung im Foyer des PZ-Forum
„Buch-Unikate mit Zeichnungen“ von Axel Hertenstein
zu Friedrich Schillers Gedicht „An den Frühling“
präsentiert.

VORWORT Claus Kuge

Bereits 1833 setzte der kritische deutsche Dichter Heinrich Heine Carl Friedrich Schiller ein
sprachliches Denkmal:

„Schiller schrieb für die großen Ideen der Revolution, er zerstörte die geistigen Bastillen, er baute an
dem Tempel der Freiheit.“

Dabei war auch damals der erfolgreiche Dichter bei seinen intellektuellen Zeitgenossen keinesfalls unumstritten, was den Stil seiner Sprache anbelangt:

Im wurde u.a. vorgeworfen, seine Texte seien „künstlich“, „exaltiert“, „herzlos“

Es ist überliefert, dass Caroline Schlegel und ihre Freunde 1799 über Schiller Versepos
„Das Lied von der Glocke“ so lachten, dass sie fast von den Stühlen gefallen wären – und Jean Paul kritisierte in seiner Vorschule der Ästhetik von 1804 „die zu Juwelen versteinerte Hand“, die, wenn
sie nicht das Spielen, dann doch das Hören störe.

Schiller selbst, der um diese Kritik wusste, nahm die Kritik und seine Kritiker ernst und bemühte sich ständig verständlich zu bleiben.

Schiller hat die Empfindungen seiner Leser bis in unser Jahrhundert hinein polarisiert, seine Werke
wurden als „Ideenmagazin“ vor allem im 20. Jahrhundert immer wieder gesellschaftlich und im
Dritten Reich oft politisch missbraucht …

… der ästhetische Wert seiner Lyrik wurde aber oft verkannt und mangels klassischer Vorbildung
und Kenntnis falsch interpretiert und verstanden.

Schiller selbst hat gesagt, ihm schwebe das Musikalische eines Gedichtes beim Beginn einer Produktion weit öfter vor der Seele, als der Begriff vom Inhalt.

Heute sind uns die Namen und Gestalten und die Formen der antiken Poesie, die Hexameter und Distichen, die Schiller als Vermaß häufig verwendet, fremd.

Geradezu zeitanachronistisch wirkt auf uns heute die Stilform der Ballade, deren Meister
Carl Friedrich von Schiller ist.

Und in unserer Zeit der anglizistischen Rock und Pop Lyrik ist es uns ganz schwer verständlich, wenn Schiller mit der Gewalt des dichterischen Wort auf Menschen einwirken will, um sie aus den Ängsten
des irdischen Daseins zu befreien, um sie emporzuführen zur Freude am „Schönen, Großen und
Wahren“.

Die ästhetischen und philosophischen Schriften und die späte Lyrik Schillers, in enger Zusammenarbeit
in Weimar mit Johann Wolfgang Goethe entstanden, umkreisen inhaltlich direkt und indirekt die Frage
der Veredlung des menschlichen Charakters …

… allerdings leben wir heute nicht mehr unter der Sonne Homers: Die gestaltenreiche Schönheitswelt
der Götter Griechenlands ist uns kaum mehr zugänglich – deshalb kann das Schiller Gedicht auf
„Die schönen Wesen aus dem Fabelland“ rein inhaltlich in unserer Zeit keinen Platz mehr in einer
„Best of“ Ausgabe seiner Gedichte beanspruchen.
Es würde – schlicht gesagt – nicht mehr verstanden werden ….

Bereitet es uns doch heute große Mühe die ehrenfeste Bürgerlichkeit des „Liedes der Glocke“, gesellschaftlich oder gar sozial gesehen, nachzuvollziehen.

Dies macht uns den Umgang mit den Versen unserem Klassiker Carl Friedrich von Schiller, dessen
250. Geburtstag sich jetzt am 10. November jährt, nicht gerade einfach.

Deshalb freue ich mich, dass Sie alle hier und heute gekommen sind.
Denn:
wir treffen uns heute auch deshalb um Schiller zu hören, ihn meisterhaft vorgetragen zu hören.
Seiner Sprachmusik zu lauschen. Und um uns in der Seele von Schiller berühren zu lassen.

Claus Kuge

(Es gilt das gesprochene Wort)

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